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Weitere Informationen über Bangladesh

Völker

Bangladesch ist mit einer Bevölkerungsdichte von mehr als 1000 Menschen pro Quadratkilometer der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Erde. Auf einem Gebiet von der doppelten Grösse Bayerns leben rund 146 Millionen Menschen. Die Überbevölkerung mit einem jährlichen Wachstum von über zwei Prozent ist eines der grössten Probleme des Landes. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt in Städten. Wenig besiedelt sind einzig die Chittagong-Berge und das nahezu unbewohnte Sundarbans.

Im Gegensatz zu anderen Staaten Südasiens ist Bangladesch ethnisch überaus einheitlich. Etwa 98 % der Bevölkerung sind Bengalen mit Muttersprache Bengalisch. Zu den wenigen Minderheiten gehören Biharis sowie die Chakma und Mogh; sie sind mongolischer Herkunft und leben in den Chittagong-Bergen.

Bangladesch ist geprägt durch seine geschichtliche und kulturelle Vergangenheit, an der unter anderem Afghanen, Äthiopier, Araber, Türken, Eroberer aus Nordasien und Kolonialherren aus Europa ihren Anteil hatten. Die damit verbundenen Impulse spiegeln sich auch im Volksislam wider, der Elemente des Animismus, Buddhismus und Hinduismus einschliesst.

Die Bengalen mögen Gedichte, Musik, Tänze und Theater. Die Art der klassischen Musik und Tänze unterscheidet sich völlig von der europäischen. In grossen Städten gibt es Theater, in denen Volksdramen und westliche Dramen wie „Romeo und Julia“ gespielt werden. Das heimische Volkstheater heisst „Sattra“ und wird regelmässig im Winter in den Dörfern organisiert.

Nahrung

Generell ist das Essen Bangladeschs jenem von Indien, Pakistan, Sri Lanka und Nepal ähnlich. Das typische Gericht besteht aus Reis, Fisch und Gemüse, meist stark gewürzt. Als Proteinquelle dienen Fluss- und Meeresfische. Zum Frühstück gibt es hausgemachtes Fladenbrot (Roti) oder gefülltes Fladenbrot (Paratha). Unter den Bauern und Arbeitern ist das traditionelle Panta weit verbreitet: Reis in Wasser mit Paprika, Salz, Zwiebeln, Kartoffeln oder mit Eiern. In der Regenzeit isst man gerne das typische Gericht Khichuri mit Fisch oder Eiern, im Winter Pitha, Vapa oder Patisapta. Weitere lokale Spezialitäten sind Kebab, Biriani, gegrilltes Fleisch mit speziellen Getränken (Borhani) und Süssigkeiten aus Milch, Reis und/oder Weissmehl. Hausgemachter, frischer Limonensaft ist ein beliebtes Erfrischungsgetränk. Alkoholische Getränke sind nur in lizenzierten Bars und Restaurants erhältlich.

In Bangladesch gibt es eine grosse Auswahl an frischen Früchten, darunter Mangos, Litschis, Jackfruits (Jagdfrüchte = nationales Obst), Kathal, Guava, Bananen, Barai, Atta, Datteln, Sternfrüchte, Wasserfrüchte (Panifal).

Religionen : Islam, Hinduismus, Buddhismus

Die Verfassung bezeichnet den Islam als Staatsreligion, garantiert aber Glaubensfreiheit. Deshalb sind die wichtigsten religiösen Feiertage der Moslems, Hindus, Buddhisten und Christen gesetzliche Feiertage. Fast 87 % der Einwohner sind Moslems (davon 96 % Suni-Muslime), 12 % sind Hindus. Der Rest sind Buddhisten (0,6 % hauptsächlich Thearavada/Hinayana), Christen (0,3 % hauptsächlich römisch-katholisch) und Animisten (0,1 %). Bangladesch ist das drittgrösste muslimische Land der Welt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts, als noch 33,9 % der Bevölkerung Hindus waren – und besonders seit der Unabhängigkeit von Indien – ist der Anteil der Hindus dramatisch zurückgegangen und beträgt heute nur noch etwa 40 % des Anteils von 1951.

Botanik und Tierwelt

Der grösste Teil des Landes besteht aus landwirtschaftlichen Nutzflächen, bewaldete Gebiete bedecken weniger als ein Sechstel der Fläche. Dazu kommt eines der grössten Flussdeltas der Welt.

In den Chittagong-Bergen gedeiht immergrüner tropischer Bergwald, in den trockeneren Ebenen sind es Wälder mit Laubbäumen wie Akazien und Banyanbäumen. Im Südwesten liegt eines der weltweit grössten Mangrovenwaldgebiete. Dieses Sundarbans (beng. Schöner Wald) wurde von der UNESCO als Welterbe deklariert. In den Mangrovenwäldern lebt der vom Aussterben bedrohte majestätische bengalische Tiger.

Bangladesch hat eine artenreiche Tierwelt mit 109 einheimischen Säugetierarten, 295 Vogelarten, 119 Reptilienarten, 19 Amphibienarten und rund 200 Arten von Meeres- und Süsswasserfischen. Bemerkenswerte Säugetiere neben dem Bengalischen Tiger sind Elefanten, Kragenbären, Lippenbären, Nebelparder, Leoparden, Leopard- und Fischkatzen, Rhesusaffen, diverse Hirscharten, Wildschweine, Schakale, Gibbons, Loris, Bantengs, Gaurs, Gangesdelfine und Dugongs. Dazu kommen Reptilien wie Krokodile, Schildkröten, Pythons und andere Schlangen (auch Giftschlangen).

Zur Vogelwelt gehören 12 Eisvogelarten und die ihnen nahe verwandten Spinte, Bülbüls, Kuckucke, Drosslinge und Drongos (Sperlingsvögel), 22 Spechtarten, Papageien, Mynas, Bülbüls, Elstern, Robin-Kuckucke, Falken, Eulen, Krähen, Adler (u. a. Kaiseradler, Schreiadler, Weissbauch-Seeadler), Geier, Hornvögel, Sichler, Blatthühnchen, Sittiche, Stare, Elstern, Nektarvögel, Rohrsänger. Ebenfalls Maskenbinsenhühner, Blaubartspinte (Nyctoyornis athertoni), Rotkopftrogons (Harpactes erythrocephalus). In der Gegend um Syleth befinden sich umfangreiche Überwinterungsgebiete.

Der Seychellendajal (Copsychus sechellarum) ist der Nationalvogel von Bangladesch.

Nationalparks und Naturreservate

Bangladesch verfügt über 17 Naturreservate, darunter das Sundarban-Mangrovenwaldreservat, der Lawachara-Nationalpark, das Rema-Kelnga-Wildreservat, der Satchuri-Nationalpark, das Teknaf-Wildreservat und das Chunati-Naturreservat.

Sundarban-Mangrovenwaldreservat

Die Sundarbans im Süden Bangladeschs sind der grösste Mangrovenwald der Erde. Das 6000 km² grosse, artenreiche Ökosystem ist Heimat zahlreicher bedrohter Tiere und Pflanzen. Zudem schützt es die Bevölkerung im Landesinnern vor den immer häufiger wiederkehrenden Tropenstürmen. Das Gebiet an der Grenze zu Indien ist der letzte zusammenhängende grosse Lebensraum des bengalischen Tigers. Etwas mehr als 300 Tiger leben im Sundarban, nochmals so viele auf der indischen Seite.

Geschichte

Das kulturelle Erbe geht zurück auf drawidische, indo-arische, persische, türkische und europäische Einflüsse. Bereits 1000 v. Chr. wird die Region erwähnt. Während Jahrhunderten war Bangladesch buddhistisch, ab dem 10. Jahrhundert zum grössten Teil hinduistisch. Im 12. Jahrhundert wurden die herrschenden buddhistischen und hinduistischen Dynastien im Gefolge der Sufis verdrängt. Im Jahr 1576 wurde Bengalen als Provinz in das Mogulreich integriert und der grösste Teil der Bengalesen konvertierte zum Islam, der bis heute eine bedeutende Rolle in Politik und Gesellschaft spielt.

Portugiesische Händler und Missionare erreichten Bengalen im frühen 16. Jahrhundert, Holländer und Franzosen folgten. 1650 landeten die ersten Briten und bauten Handelsposten und Manufakturen für die East India Company auf. Etwa hundert Jahre später erhielt die Company die Steuerhoheit über die Provinz des Mogulreichs. 1858 weitete die britische Krone ihren Einfluss von Bengalen im Osten bis zum Indus im Westen aus.

Aufgrund der muslimischen Bevölkerungsmehrheit wurde Bangladesch 1947 von Indien abgespaltet und unter der Bezeichnung Ostpakistan zum Bestandteil Pakistans.

In den nächsten 26 Jahren blieb Pakistan gezeichnet von politischer und ökonomischer Instabilität. Für Ostpakistan, durch die Abtrennung vom indischen Teil Bengalens nicht nur wirtschaftlich benachteiligt, begann eine Zeit der Abhängigkeit und Unterdrückung.

Die Beziehung zwischen Ost- und Westpakistan spitzte sich nach dem zweiten Krieg mit Indien um Kaschmir von 1965 dramatisch zu. 1971 erlangte Ostpakistan infolge des Bangladesch-Kriegs unter dem Namen Bangladesch seine Unabhängigkeit. Der junge Staat musste Hungersnöte, Naturkatastrophen, Armut, politische Unruhen und Militärputschs erdulden. Die Demokratie wurde 1991 wieder eingeführt, seither herrscht relative Stabilität und wirtschaftlicher Fortschritt.

Bangladeschs Vergangenheit zeigt sich in archäologischen Relikten, historischen Gebäuden und Monumenten. Beispiele buddhistischer, hinduistischer und islamischer Architektur findet man im ganzen Land sowie in den Handelszentren von Dhaka, Chittagong und Sylhet.

Festtagskalender

Trotz der Staatsreligion Islam werden in Bangladesch Feste mehrerer Religionen gefeiert. Die wichtigsten Feiertage sind die beiden grössten Feste des Islams, Eid ul-Fitr, ein dreitägiges Fest am Ende des Fastenmonats, und Eid al-Adha, bei dem an Abrahams Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern, erinnert wird. Auch hinduistische, buddhistische und christliche Feste werden gefeiert. Das bengalische Neujahrsfest findet am 14. April statt. Dazu gehören Musik- und Tanzveranstaltungen, karnevalsähnliche Strassen-Shows sowie Neujahrsmärkte (Melas).